Viel Fahren und wenig Klettern.

Richtung Süden. Wir lassen die Gastfreundlichkeit der Kletterszene Banja Lukas hinter uns und gehen auf die Suche weiterer toller Klettergebiete mit kinderfreundlichem Lagergelände. Fazit ist, wir steuern insgesamt drei Gebiete an, welche im Kletterführer als interessant erscheinen, sich aber im Nachhinein, wie Felix so schön sagt, als Gebiete mit „lokaler Bedeutung“ herausstellen. In Bosnien ist das Klettern noch sehr jung, die Szene entwickelt sich erst noch und die meisten Touren, die wir vorgefunden haben, befinden sich im sechsten Grad. Es gibt viel Fels, doch meist nicht sehr kompakt. Die tollen Canyons können wir mit Kindern leider nicht beklettern. In Blagaj gibt es nochmal ein paar schöne Siebener, diese haben wir jedoch ruckizucki abgeklettert und außerdem regnet es uns auch dort ganz schön die Hucke voll. Außerdem werde ich Zeuge eines kleinen Erdbebens. Die Jungs sind gerade den Canyon auschecken und merken dabei nicht, dass die Erde wackelt.

Reise durch das Land und die Gemüter Bosniens. Ehrlich gesagt kriegen wir gar nicht sooo viel von dem Leben in Bosnien mit. Wir sprechen mit ein paar Locals und hören uns ihre Geschichten an. Eine Frau aus Bugojno erzählt vom Krieg, in der Stadt gibt es viele durchlöcherte Häuser. Sie erzählt von Jugoslawien, wie schön es damals war und dass der Krieg alles zerstört hat, eine Phase ihres Lebens, die sie verdrängt. Sie ist Muslimin, sie hat einen Kroaten geheiratet. Das ist der Grund, weshalb man ihr keine Arbeit gibt. Sie berichtet von Korruption in der Politik und von den drei politischen Fraktionen der Serben, Kroaten und Muslimen, die sich nicht einig werden und darüber, dass sie jeden morgen aufwacht und Angst hat, dass es wieder passiert. Sie will aber rauch nicht das Land verlassen, da hier ihre Wurzeln sind und das Land einfach wunderschön ist. Wir unterhalten uns mit einem sechsjährigen Mädchen, das erst dieses Jahr in die Schule kommt, aber schon nahezu perfekt Englisch kann. Wir fragen sie woher…natürlich durch das schauen von YouTube-Videos. Sigfried darf von nun an auch englische Videos anschauen. Felix spricht mit einem Mann, der mit seine Familie zum Picknick in den Canyon gekommen ist. Er war einige Jahre in Deutschland als Gastarbeiter. Seine Familie will Sigfried Cola und Chips andrehen. Als Felix ablehnt können Frau und Kinder das gar nicht verstehen. Der Mann schon, er kennt die deutsche Lebensweise. In Bosnien aber, meint er, leben sie ungesund und nicht so lange. Das Leben hier ist hart. Jeder raucht. Man verdient fast nichts. Deshalb wollen auch alle hier weg. Er erzählt ebenfalls von Jugoslawien, wie damals alle Arbeit hatten und wie herzlich die Menschen waren. Die Lokale waren voll, die Menschen standen sich nahe. Nun sind alle distanziert. Jeder sorgt für sich und versucht über die Runden zu kommen. Dennoch sind alle zu uns super herzlich. Im Eco-Center in Blagaj erzählt uns der Leiter über das Müllproblem, dass die Menschen nach dem Krieg ihre guten Gewohnheiten verloren haben, was man an den Flussufern deutlich sehen kann und auch im Fluss schwimmt auffällig viel Müll, obwohl Chris, ein Kajaker den wir trafen meinte, dass es schon viel weniger geworden sei in den letzten Jahren. Wir hören noch viele weitere Themen, die nicht so laufen, wie sie laufen sollten. Dennoch ist Bosnien ein wunderschönes Land. Tourismusinfrastruktur gibt es aber kaum hatten wir das Gefühl. Obwohl es viele Campings gab. Einmal waren wir essen. Ein riesiges Hotel, mit großem Außenbereich, Innen sehr edel, jedoch von Zigarettenrauch geprägt. Allerdings hatte das Hotel seine Hochzeiten schon hinter sich. Wir vermuten in Jugoslawien-Zeiten. Es wirkt etwas oversized. Das Essen ist super, die Preise gering. Wir bekommen noch ein Kuchendessert aufs Haus, dafür geben wir ein großes Trinkgeld. Da lässt es sich der Wirt nicht nehmen, dass er uns jedem noch ein Fußpils auf die Hand mitgiebt.

Dem Regen entrinnen wir, indem wir trotz schlechter Vorhersage ans Meer flüchten. Kai und Lennart fahren weiter Richtung Serbien. In Kroatien angekommen treffen wir auf das wärmste und sonnigste Wetter, das wir seit Anbeginn unserer Reise erleben, also ab ins Meer. Dank unserer getönten Scheiben, schlafen wir mehrfach inkognito an schönen Strandpromenaden. 100 km nördlich von Dubrovnik schlafen wir das erste Mal. Hier scheint noch keine Saison zu sein. Obwohl wir direkt nach der Grenze eine bauliche Veränderung ins Mediterrane feststellen, zeigt der Verfall auch hier seine Spuren. Drei riesige Hotels liegen Brach, direkt am Strand. Etwa auch aus Jugoslawienzeiten? Wann sonst sollten sie so genutzt wurden sein um dann einfach zu verfallen? So alt sehen die Anlagen eigentlich nicht aus… Bei einer macht es sogar den Anschein, als wäre sie im Sanierungsprozess. Na das wird lange dauern. Weiter geht es nach Dubrovnik. Hier hat die Saison scheinbar schon angefangen. Menschenmassen. Touristen. Massen an Touristen. Wir wollen uns die Altstadt anschauen. 4 Stunden Parken für 30 Euro? Na das ist dann doch etwas viel. Wir fahren also weiter. Im Nachhinein erfahren wir, dass dort Games of Thrones gedreht wurde, weshalb die Stadt neuerdings noch überlaufener wäre. Nun will Felix aber auf jeden Fall nochmal dahin, aber erstmal geht es an der Küste weiter runter.

Montenegro. Was haben die da eigentlich für eine Währung? Irgendwie stehen hier überall Europreise. Felix will Geld abheben. Er bekommt Euro aus dem Automaten. Die Währung ist: Euro. Die Preise sind ziemlich deutsch. Auch die Nummernschilder sind auffällig deutsch. In Bosnien hat man immer die alten deutschen Autos rumfahren sehen. Hier sieht man nur Bonsenkarren. Die Orte wirken alle sehr mediterran und geleckt. Aber nur wenn man von weitem schaut. In den Städtchen gibt es massenhaft Hochhäuser und fancy Hotelanlagen. Es liegt direkt neben Bosnien und ist doch eine komplett andere Welt. Sehr touristisch und eher teuer. Wir erfahren später, dass sie vorher auch die „Mark“ hatten, welche es noch in Bosnien gibt. Seit der Einführung des Euro sind die Preise dann um mindestens 50% gestiegen. Nun verdienen die Leute gut. Vor allem auch durch den vielen Tourismus. Wir wollten uns Kotor anschauen, soll wie Dubrovnik sein, nur kleiner und nicht so touristisch, war unsere Information. Kotor ist kleiner. Aber keineswegs weniger touristisch. Enttäuscht brechen wir die Stadtbesichtigung ab und fahren weite. Wir verbringen noch einen letztem Tag am Meer, weil die Kinder es so lieben und fahren dann weiter an den Skutarisee.

Die Kinder spielen meistens toll zusammen und Mine läuft schon ziemlich toll am kleinen Finger, rennt sogar, wenn sie einen Hund oder Katze sieht und frei läuft sie trotz großer Unebenheiten auch ganz schön gut. Deckel ab, Deckel drauf ist das neue Lieblingsspiel.

Sportliche Betätigung erhoffen wir uns die nächsten Tagen in Prilep. Uns juckt es in den Fingern, die letzten Tage bestanden aus viel Fahren und Rumhängen. Die Kinder sind nicht ausgelastet und wir auch nicht. Obwohl. Wir schon. Die Kinder….Überlastung….. Naja, da drüben wird es wahrscheinlich ganz schön heiß, also nochmal in Albaniens Bergen etwas Kälte tanken.

Und die Galerie ist verkehrt herum… Das erste Bild ist unten. Da es 02:00 Uhr ist spare ich mir, das mühsam umzuschichten. Einfach rückwärts angucken. Gute Nacht!

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