New grade y mucho calor!

Venga! In den letzten Wochen wurden neue Schwierigkeitsgrade erobert, alte Freunde getroffen, tolle Städte erkundet, am Strand abgehangen und die Gruppe hat sich verkleinert.

Flughafendilemma. Ich fahre also nach Valencia zum Flughafen. Noch nie war ich in einer Stadt in der der Flughafen so bescheiden ausgeschildert ist. Also einmal quer durch Valencia durch. Da ein Schild zum Flughafen. Da noch eins. Jetzt keins mehr. Wohin? Eigentlich muss ich doch eher nach Norden. Also nach rechts. Da wieder ein Schild. Wieder keins mehr. Nach einer halben Ewigkeit komm ich doch noch an. Parkplatz am Flughafen, nein das gibt es nicht. Mal kurz im Parkhaus gucken. Da ist man auch schon drin. Naja schnell durchfahren und wieder raus, denn eine Minute Parken kostet 66 Cent. Man wird einmal durch das gesamte Parkhaus geleitet. Unglaublich dass ich mit unserem langen, breiten Auto nirgends anecke. Nach 6 Minuten ist man endlich durch das Parkhaus durch. Es kostet mich 86 Cent. Die ersten 5 Minuten waren wohl kostenlos. Naja mit nem Smart hätte man es wohl auch in 4 Minuten durchgeschafft… Also ab im Halteverbot stehen. Auf einmal halten alle vor und hinter mir. So jetzt ist Felix doch schon seit einer viertel Stunde gelandet, er hat das Handy immer noch aus. Was ist da los? Also mal ein paar Runden fahren, vielleicht steht er ja schon da. Nein. Also noch ne Runde um den Flughafen fahren. Und noch eine. Ok, wieder Halteverbot. Da kommt ein Sicherheitsmensch der mich wegschickt. So geht es immer weiter. Felix hat letztendlich eine Stunde Verspätung weil es in Berlin so heiß war. Ein Glück hat Sigfried nicht rumgestresst.

Von Herdentieren und Polizisten. Wir hatten uns entschieden die Klettergebiete um Valencia wegzulassen und düsen direkt weiter nach Cuenca, wo die anderen schon auf uns warten. In einer schönen Recreation Area an einem Fluss mit Flusskrebsen schlagen wir unser Camp auf. Am nächsten Morgen zieht eine Meute Schäfer vorbei mit ihrer Herde, bestehend aus 3000 Tieren, hauptsächlich Schafen, ein paar Ziegen, vielen Hunden, einem Esel und einem Pferd. Direkt durch unseren Frühstücksplatz durch. 2 Tage später kommen 200 Kühe vorbei und scheißen alles zu. Gar nicht so schlimm, denn nach der dritten Nacht kam die Polizei und meinte in etwa: „Ihr seid schon drei Tage hier, wird Zeit dass ihr abzischt.“

Cuenca. Es ist eine schöne kleine Stadt in der man sich vorstellen könnte zu wohnen. An die Altstadt auf dem höchsten Punkt der Stadt schließt sich der neue Teil an und wenn man raus aus der Stadt fährt kommen noch vor dem Stadtausgangsschild die ersten Klettersektoren. Löchrige Kalkwände durchziehen die Täler. Vertikal bis unglaublich steil. Das Klettern fetzt sehr, vorausgesetzt man findet die richtigen Routen und das ist nicht immer leicht. Zuallererst ist vieles ganz schön schwer (8a bis 9b+), 7b+ gibt es sehr viele, wir wollen doch aber 7c klettern (also wir Mädels). Dann ist viel gehackt. In fast jeder Tour ist mindestens ein gehackter Griff drin. Und zu guter Letzt kann man den Sternchenbewertungen herzlich wenig vertrauen… Hat man dann aber eine schöne Route gefunden, ist sie meistens wirklich sehr schön. Nur wird es langsam recht warm und bald werden wir weiterziehen nach Portugal ans Meer zu den gemäßigteren Temperaturen.

NEW GRADE. Bevor wir aber weiterziehen gelingt es mir 3 neue Schwierigkeitsgrad zu erreichen, wenn man so will. Wenn man 2 Monate lang immer zwei Tage klettert und einen Tag ruht scheint man wohl doch besser zu werden. So klettere ich meine erste 7c+ im 2. Versuch, also nach dem auschecken, mit der 5. Exe vorgeklippt. In dem glauben es wäre eine 7c und nur um zu schauen wie weit ich tatsächlich komme wenn ich auch noch klippen muss mache ich es nochmal ganz fair von unten. Und siehe da, da bin ich auch schon wieder am Umlenker. Zwei Tage später gelingt mir meine erste 7c im Onsight mit Exen selbst reinbringen. Und nochmal zwei Tage später gelingt mir mein erster 7c+ Flash. Toll. Ich hätte nie gedacht dass ich jemals 7c+ Klettern würde, bin ich doch zum Trainieren viel zu faul. Aber wenn das so durchs Vielklettern einfach reinläuft, freut man sich um so mehr.

Überwindung der Unwahrscheinlichkeit. Wie wahrscheinlich ist es einen alten polnischen Freund mit dem man vor über 5 Jahren im Josito gearbeitet hat in einem spanischen Riesensupermarkt anzutreffen? Sehr unwahrscheinlich. Aber genau das ist passiert. Und so gingen wir mit Yannik einen Abend lang klettern.

Unterwegs gen Westen. Viele Sektoren in Cuenca sind erst abends im Schatten. Nachdem wir 2 Abendsessions machten und die Haut durch die Hitze einfach nicht mehr mitmachte, zogen wir weiter. Einen großen Bogen um Madrid herum, damit wir dem Großstadtstress entgingen. Nach Madrid wurde die Landschaft immer flacher. Wo man nur hin sieht – goldgelbe Getreidefelder. ÜBERALL. Langsam werden sie von Olivenhainen abgelöst. Es wird immer wärmer. Irgendwann sieht man wieder Hügel. Da hinten liegt Portugal. Auf unserem Weg passieren wir viele kleine Dörfer. Fast jedes hat ein eigenes Castelo oder eine Festungsanlage. Gleich über die Grenze in Portugal schauen wir uns eine Festungsstadt an. Almeida. Aber es ist so unglaublich heiß, also fahren wir weiter. 200 Meter vor uns auf der Autobahn – ein brennender LKW. Immer mal hört man was explodieren und dann werden die Flammen größer. Doch nach nicht allzu langer Zeit haben die Rettungskräfte und der Löschheli alles unter Kontrolle. Wir skippen aufgrund der Hitze unsrer weiteren Anlaufpunkte und fahren direkt weiter bis zum Meer. Endlich ist es dort ganz angenehm. Felix meint sogar es wäre kalt.

Portugal. Das erste was Tino am Strand unternimmt ist Bodyboarden. So ambitioniert ist er, dass er in die nächste Welle rennt und sich dabei das Knie schrottet. Für ihn ist der Urlaub nun vorbei, kann er doch kaum noch laufen. Ab ins Krankenhaus. Währenddessen schauen sich Felix, Lisa und ich Aveiro an, eine hübsche kleine Altstadt hat es mit so süßen, für Portugal typischen Häusern, welche als Hausfassade Kacheln haben. Wir essen lecker Fisch. Tino war leider nicht so erfolgreich, ohne MRT Gerät schicken sie ihn wieder weg, können keine Diagnose stellen, also treten Lisa, Leo und Tino am nächsten Morgen den Heimweg an. Wir anderen daddeln am Meer ab und trinken Portwein, nachdem wir uns Porto, eine sehr sehr hübsche Stadt, angeschaut haben. Weiter fahren wir die Küste hoch zu Surfstränden und kleinen Städtchen. Portugal zeigt sich als wunderschönes Reiseland. Die tropisch wirkenden Eukalyptuswälder zieren die seicht bergige Landschaft, in welche immer mal hübsche Dörfer gebettet sind. Nur die Sprache verstehen wir nicht, gelesen ist es ok, aber gesprochen klingt es einfach nicht schön. Doch können die meisten Portugiesen auch etwas Spanisch. Das einzig unschöne an Spanien ist die Sache mit der Maut. Entweder man zahlt im Voraus mit einer Prepaid Karte, die es nur sehr selten zu kaufen gibt und bei denen man generell viel mehr vorauszahlt als man letztendlich braucht oder man macht es wie wir und fährt Autobahn und geht dann zur Post und bezahlt da. Das ist aber nicht so ganz einfach wie es einem gesagt wird. Sind wir doch zu 5 verschieden Postbüros gefahren und jeder erzählt etwas anderes. Nun haben wir an die Mautstelle eine Email geschrieben und hoffen dass sich alles klären wird. Sonst gibt es einen Strafzettel.

Spain Again. Auf der Brücke von Portugal nach Spanien eckt Felix erst einmal richtig schön mit dem Auto an. Dann fahren wir durch wunderschöne Eukalyptus – Esskastanienwälder an einen tollen Strand mit super Wellen und kaltem Wasser. Dann wollen wir aber endlich mal wieder in die Berge und fahren Richtung Picos de Europa. Das Top Sportkletterziel dort soll Teverga sein. Wir fahren also in die Berge hinein, die Temperatur sinkt. Wolken. Nieselregen. Das erste Mal seit einigen Wochen.

Teverga. Die Basis für das Gebiet bildet das Dorf Entrago. Hier gibt es einen großen Parkplatz wo viele spanische Wohnwagen stehen. Interessant. Es gibt ein Klo und eine Dusche. Alles kostenlos. Auf Anfrage sogar eine warme Dusche. Jeden Morgen um 10 kommt die Bäckersfrau und hupt laut. Direkt daneben die Polizeiwache. Campen in Spanien ist verboten. Doch wenn sich der Bergsteigerverein voll reinhängt und die Stadtvorsitzenden sowie Polizisten Kletterer sind, dann funktioniert es eben einfach. Toll. Und so Klettern wir tolle Routen an ungewohnt rauen Kalkstrukturen, denn das Gebiet ist mehr oder weniger ein Geheimtipp oder zumindest ist es nicht so berühmt wie Margalef und Co. Felix und Jule sagt es nicht so zu und da Felix eh krank ist und Jule nun eher zuhause sein muss treten sie noch am selben Abend, natürlich erst nach meinem leckeren Geburtstagsdinner, den Heimweg an. Bleiben also nur noch zwei Busse. Uns fetzt es aber sehr, nur das Lagergelände ist manchmal nicht sehr kinderfreundlich und mit Siggi der grad nen Entwicklungsschub hat ist es dann nicht so einfach am steilen Wandfuß. Sobald die Sonne weg ist wird es ganz schön kalt. Früh traut man sich nicht aus dem Auto bis die Sonne da ist und das dauert lang, denn sie kommt erst am höchsten Punkt des Berges über ihn gelunzt… Das Problem ist, dass dann schon fast aus allen Sektoren der Schatten raus ist…

Fahrradtour. Am Ruhetag haben wir Fahrräder ausgeliehen mit drei Kindersitzen und sind erst 20 km bergab zu einem Bärengehege gefahren und dann alles wieder hoch. Die Kinder sind lustig in den Sitzen eingeschlafen und uns brannten die Oberschenkel auf den letzten Metern ganz schön dolle.

Langsam geht’s zu Ende. Nicht mehr viel Zeit bleibt uns, dann müssen wir wieder daheim sein. Wir versuchen die letzten Tage noch zu genießen. Langsam spürt man aber doch den Hochsommer in Spanien, obwohl es bis auf die letzten zwei Wochen echt immer super geklappt hat mit den Schattensektoren und wir nie wirklich geschwitzt hatten. Bis Portugal waren wir nicht mal wirklich braun geworden. Dafür dort umso mehr. Morgen geht es nochmal ans Meer und die Jungs wollen dann noch den Pico Uriellu besteigen, ein sehr markanter Gipfel im Nationalpark.

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